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Schlucken

Orofaziale Dysfunktionen bei Kindern

Dysphagie bei Erwachsenen

Im Mund besteht normalerweise ein Gleichgewicht zwischen festen Strukturen (Kiefer, Zähne, Gaumen) und den umliegenden Muskelgruppen (Lippen, Wangen, Zunge).

Dieses Gleichgewicht wird durch „Teamarbeit” verschiedener miteinander verbundener Körperbereiche hergestellt. So unterstützt eine aufrechte Körperhaltung eine gerade Kopfhaltung. Diese ist ihrerseits Voraussetzung für optimale Bewegungen im Mund- und Gesichtsbereich. Ebenso ist eine normale Zahn- und Kieferstellung für eine korrekte Aussprache und eine problemlose Nahrungsaufnahme notwendig. Geschlossene Lippen sind Voraussetzung für die gesundheitsförderliche Nasenatmung usw..

Dieses Gleichgewicht von festen Strukturen und umliegenden Muskelgruppen ist jedoch störanfällig. Eine Veränderung im Mund- und Gesichtsbereich zieht oft viele andere Veränderungen nach sich. Das ganze System gerät ins Ungleichgewicht. Meist ist nicht herauszufinden, was die eigentliche auslösende Ursache war, weil oft mehrere der im Folgenden beschriebenen Störungen gleichzeitig in Erscheinung treten.

Stellt ein Arzt oder eine Ärztin eine Störung im Zusammenspiel dieser Muskeln fest, empfiehlt er/sie eine Myofunktionelle Therapie (myo = Muskel), d.h. eine die Muskelfunktionen verbessernde Behandlung. Diese wird in der Regel von Sprachtherapeutinnen durchgeführt, die auf diese Form der Behandlung spezialisiert sind.

Die Myofunktionelle Therapie findet Anwendung in folgenden Bereichen:

  • Vorbeugung und Unterstützung zur Kieferorthopädie (z.B. Zahn- und Kieferfehlstellung)
  • Unterstützung zur Sprachtherapie (z.B. Lautbildungsfehler)
  • Unterstützung der Zahnmedizin (z.B. Prothetik, Zahnerhaltung, Kiefergelenksprobleme)
  • Unterstützung der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (z.B. Mundatmung)

Der Schluckvorgang ist ein außerordentlich komplexes Zusammenspiel einer Vielzahl zentralnervöser Abläufe und abhängig von Größe, Konsistenz, Temperatur und Geschmack dessen, was geschluckt werden soll.
Störungen des Schluckvorgangs können unterschiedliche Abläufe betreffen: die orale Phase (Kauen und Einspeicheln der Nahrung), die pharyngeale Phase (Transport der zerkleinerten Nahrung durch den Rachen) und die ösophageale Phase (Transport durch die Speiseröhre in den Magen). Diese Störungen führen nicht selten zu ernst zu nehmenden Komplikationen.

Eine dieser Komplikationen ist die Aspiration: das Eindringen von Nahrung oder Speichel in die tiefen Atemwege. Das kann lebensgefährlich sein und muss dringend vermieden werden.

Neurogene Ursachen

  • Ischämische Insulte des zentralen oder peripheren Nervensystems (Schlaganfälle)
  • Blutungen im zentralen oder peripheren Nervensystem
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Degenerative Prozesse (z.B. Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose)
  • Entzündliche Prozesse (z.B. Multiple Sklerose, Guillain-Barré-Syndrom)
  • Hirntumore
  • Störungen der Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel (z.B. Myasthenia gravis)
  • Erkrankungen der Muskulatur (z.B. Muskeldystrophie)
  • Stukturelle Ursachen

    • Angeborene Fehlbildungen (z.B. Lippen- Kiefer-Gaumenspalte)
    • Tumoren des Mund-/Rachenraumes einschließlich der Folgen durch operative Eingriffe, Bestrahlung oder Chemotherapie
    • Entzündliche Prozesse des Mund-/Rachenraumes
    • Traumata (z.B. Verbrennung, Fremdkörper, Verätzung)
    • Altersbedingte Strukturveränderungen
    • Das allgemeine Ziel der Behandlung ist, dem Patienten die orale Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme teilweise oder vollständig zu ermöglichen. Dabei hat der gleichzeitige Schutz der tiefen Atemwege oberste Priorität.

      Vor jeder Behandlung wird eine der Störung und dem Leistungsvermögen des Patienten entsprechende logopädische Diagnostik durchgeführt. Danach wird die Behandlung in Einzeltherapie begonnen und parallel Angehörigenberatung durchgeführt.